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Berufsunfähigkeitsversicherung und Verweisung: Was Sie wissen müssen

Mit der Verweisung hat die Berufsunfähigkeitsversicherung die Möglichkeit, die Zahlung der vereinbarten Rente auszusetzen oder ganz einzustellen.
Ob und inwieweit Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung das darf, hängt von den Versicherungsbedingungen ab, die Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung zugrunde liegen. Zu unterscheiden ist dabei zwischen der abstrakten Verweisung und der konkreten Verweisung.

Abstrakte Verweisung

Die abstrakte Verweisung - angelehnt an die harten Regelungen bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente - ist für Versicherer eine ganz einfache Möglichkeit, um eine Rentenzahlung herumzukommen. Sieht die Berufsunfähigkeitsversicherung eine solche abstrakte Verweisbarkeit vor, kann sie Ihnen als Kunden im Fall einer Berufsunfähigkeit einfach einen anderen Job präsentieren, den Sie theoretisch noch ausüben können.

Diese neue Verweisungs-Tätigkeit muss zwar der bisherigen Lebensstellung sowie der Ausbildung und Erfahrung der versicherten Person entsprechen, ob Sie tatsächlich in dem Verweisungs-Beruf eine Anstellung finden, muss die Berufsunfähigkeitsversicherung jedoch nicht interessieren: Es reicht, dass sie zeigt, dass es eine entsprechende Verweisungs-Tätigkeit gibt. So könnte ein Chirurg auch nach Verlust eines Fingers noch Sprechstunden abhalten oder als ärztlicher Berater tätig sein – ob er eine solche Anstellung findet, ist aber eben sein Problem.

Tipp: Nicht jede Verweisung zulässig

Trotz Verweisungsklausel muss die Berufsunfähigkeitsversicherung sich an bestimmte Spielregeln halten: Der Verweisungsberuf muss in aller Regel mit der bisherigen Tätigkeit im Hinblick auf Einkommen und soziale Stellung vergleichbar sein!

Abstrakte Verweisung nach vorübergehendem Ausscheiden aus dem Job

Die Verweisung kann auch dann zum Thema werden, wenn jemand wegen einer Elternzeit vorübergehend aus dem Job ausscheidet und dann berufsunfähig wird. Im Bedingungswerk sollte für den Fall vorgesehen sein, dass zeitlich unbegrenzt der früher ausgeübte Job Maßstab für eine Verweisung ist – manche Versicherer sehen nach einem Ausscheiden von drei oder fünf Jahren den alten Job als erledigt an und bemessen die Berufsunfähigkeit an der Tätigkeit als Mutter und Hausfrau. Damit kann der Versicherer Leistungsansprüche schneller abbügeln!

Abstrakte Verweisung aus dem Vertrag verbannen

Sorgen Sie deshalb beim Vergleich und der Suche nach einer passenden Berufsunfähigkeitsversicherung dafür, dass eine entsprechende Möglichkeit zur Verweisung im Vertrag ausgeschlossen ist. Dafür sollten im Vertrag keine Klauseln wie

"… ist außerstande, seinen Beruf … oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die aufgrund seiner Kenntnisse und Fähigkeiten ausgeübt werden kann und die seiner bisherigen Lebensstellung entspricht ..."

zu finden sein.

Wenn Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung eine abstrakte Verweisung vorsieht, sollten Sie einen neuen Vertrag suchen und nach dem Abschluss die bestehende Berufsunfähigkeitsversicherung kündigen!

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Konkrete Verweisung: Der Standard bei heutigen Berufsunfähigkeitsversicherungen

Im Unterschied zur abstrakten Verweisbarkeit zielt die konkrete Verweisung darauf ab, ob Sie tatsächlich einen Job ausüben, der Ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Ist das der Fall, muss die Berufsunfähigkeitsversicherung nach einer Verweisung die Rente ebenfalls nicht mehr zahlen. Am besten ist es für Sie, wenn in den Versicherungsbedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung klar definiert ist, wie viel Einkommenseinbuße Sie hinnehmen müssen, damit eine konkrete Verweisung nicht möglich ist.

So ist oft in den Bedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung vorgesehen, dass Sie die Berufsunfähigkeitsrente weiterhin erhalten, wenn Sie im neuen Job weniger als 80 Prozent Ihres letzten Bruttoeinkommens erhalten oder eine Tätigkeit ausüben, die hinsichtlich der sozialen Stellung weniger angesehen ist als Ihre frühere. Bei einem Einkommensverlust von mehr als 20 Prozent verlieren Sie Ihre Berufsunfähigkeitsrente selbst dann nicht, wenn Sie einen neuen Job antreten.

Viele Zweifelsfälle

Zum Verhängnis kann Ihnen in diesem Fall eine Umschulung werden: Denn wer berufsunfähig geworden ist und nach einer Umschulung wieder einen Job ausübt, muss damit rechnen, dass die private Berufsunfähigkeitsversicherung mit Hinweis auf die "Verweisung" die Leistungen einstellt.

Das Landgericht Potsdam (AZ: 1 O 377/10) hat jetzt eine solche Verweisung für zulässig erklärt. In dem Fall hatte ein ursprünglich im Range eines Hauptgefreiten als Pipelinepionier (Zeitsoldat) tätiger Arbeitnehmer eine Ausbildung als Fernmeldemonteur abgeschlossen und diese Tätigkeit auch ausgeübt. Die Berufsunfähigkeitsversicherung musste damit die vereinbarte Rente nicht mehr zahlen.

Dennoch ist eine Verweisung nur in engen Grenzen möglich: So kann ein Rettungsassistent nicht von seiner Berufsunfähigkeitsversicherung auf eine Tätigkeit als Sachbearbeiter im Rettungswesen verwiesen werden. Das geht aus einer Entscheidung des Kammergerichts (AZ: 6 U 237/08) hervor. Es handelt sich bei dem Beruf des Sachbearbeiters von Notfalleinsätzen um keinen Beruf, der einen annähernd vergleichbaren Kenntnisstand erfordert wie die bisherige Tätigkeit und auch keine vergleichbare Wertschätzung erfährt.

Die mit dem Beruf des Rettungsassistenten einhergehenden körperlichen und psychischen Anforderungen machen den Beruf aus, ebenso wie die Fähigkeit, auch in Katastrophensituationen die Lage richtig einzuschätzen und in kürzester Zeit das Richtige zu veranlassen, um Leben zu retten.

Diese Wertschätzung wird der weitgehend ohne Stressbelastung zu bewältigenden Tätigkeit als Sachbearbeiter nicht entgegen gebracht, so dass keine vergleichbare Tätigkeit gegeben ist.

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17.05.2017
Foto: Monkey Business Images / Shutterstock.com
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