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Berufsunfähigkeitsversicherung Vorerkrankungen

Wer Vorerkrankungen mit sich herumschleppt, der hat oft die Sorge, keine BU zu bekommen – und das nicht ganz zu Unrecht, denn gerade chronisch Kranke und alle mit schweren Vorerkrankungen bekommen tatsächlich oft keinen Berufsunfähigkeitsschutz. Aber viele Erkrankungen schließen den Schutz nicht aus und erlauben die Absicherung.

Psychische Beschwerden

Psychische Erkrankungen sind einer der Hauptgründe für Berufsunfähigkeit und treten in ganz unterschiedlichen Formen auf: Stress kann zu Tinnitus oder Herzbeschwerden führen, Burnout kann sich in fast zahllosen Symptomen äußern und Mobbing ist der Gesundheitskiller Nummer 1 in deutschen Firmen.

Bekomme ich mit psychischen Beschwerden eine BU?

Es ist nicht ganz leicht, hier Schutz zu bekommen – es kommt sehr auf den Einzelfall an. Eine Risikovoranfrage sollte möglichst breit gestellt werden.

Probleme am Bewegungsapparat

Probleme am Bewegungsapparat können in vielen Facetten auftreten: Ein klassischer Hexenschuss ist dabei genauso anzugeben wie dauerhafte Gelenkschmerzen oder gar Bandscheibenschäden. Ebenfalls am Bewegungsapparat äußern sich chronische Krankheiten wie zum Beispiel Rheuma.

Bekomme ich mit Problemen am Bewegungsapparat eine BU?

Ja, allerdings werden die Problemzonen oft vom Versicherungsschutz ausgenommen – bei einem Kreuzbandriss mit Ausschluss des Knies hinnehmbar, ein Ausschluss der Wirbelsäule aber ist nicht hinnehmbar. Probleme mit dem Finden einer Versicherung gibt es vor allem bei chronischen Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht – hier winken viele Versicherer ab.

Tipp: Keine Erkrankungen am Bewegungsapparat verschweigen!

Wer einen Antrag auf Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherungstellt, der muss bei der Beantwortung der Gesundheitsfragenseine Krankheitsgeschichte wahrheitsgemäß und vollständig offenbaren. Das geht aus einer Entscheidung des Landgerichts Aurich (AZ: 3 O 2/10- 001) hervor.

In dem Fall hatte ein Mann Rückenschmerzen verschwiegen. Der Mann, so das Gericht, hätte wissen müssen, dass die Rückenschmerzen, die immerhin zu einer einmonatigen Arbeitsunfähigkeit geführt hatten, für den Versicherer von Interesse sein dürften und deshalb angegeben werden müssen. Da er das nicht getan hat, handelt er nach Überzeugung der Richter arglistig. Der Betroffene hatte die Rückenschmerzen in Zusammenhang mit Halsschmerzen und Grippe genannt, ohne dabei die Dauer der Arbeitsunfähigkeit zu erwähnen.

Deshalb sprachen die Richter auch den Versicherungsvertreter von der Verpflichtung frei, bei den erwähnten Beschwerden genauer nachzufragen. Er habe davon ausgehen dürfen, dass es sich um einmalige, kurzzeitige Beschwerden gehandelt habe, die keine Nachfragepflicht auslösen. Kostenlose und unverbindliche Beratung anfordern

Allergien

Immer häufiger spielen auch Allergien bei der Gesundheitsprüfung der Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rolle. Denn gerade äußerlich sichtbare Allergien und Allergien mit langen Ausfallzeiten stellen ein erhöhtes Risiko dar, das genau untersucht wird.

Bekomme ich mit Allergien eine BU?

Ja, Allergien schließen in der Regel die Option auf eine Arbeitskraftsicherung nicht aus. Im schlimmsten Fall ist mit einem Leistungsausschluss zu rechnen, der aber auch hinnehmbar wäre.

Tipp: Angabe der Erkrankung reicht

Bei Vertragsabschluss müssen dabei unbedingt ehrliche Angaben zu Vorerkrankungen gemacht werden – auch zu Allergien. Eine Antragstellerin hielt sich an diese Vorgabe und gab an, unter Heuschnupfen zu leiden. Trotzdem durfte sie die gewünschte Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Einige Zeit später musste sie wegen Atembeschwerden ihren Job an den Nagel hängen und wollte nun die Berufsunfähigkeitsversicherung in Anspruch nehmen.

Die wollte nicht zahlen und verwies darauf, dass die Frau die Atembeschwerden nicht angegeben hatte. Doch die Richter am Oberlandesgericht Frankfurt (Az.: 7 U 220/04) machten dem Versicherer einen Strich durch die Rechnung: Die Atemnot sei unmittelbare Folge des Heuschnupfens – und diese Allergie hatte sie sehr wohl angegeben.

Letzte Ausfahrt Risikozuschlag

Risikozuschläge sind in der Berufsunfähigkeitsversicherung bei Vorerkrankungen an der Tagesordnung: Allergiker, Antragsteller mit Rückenleiden und anderen Vorerkrankungen zahlen oft 50 Prozent und mehr Aufschlag auf den normalen Tarif keine Seltenheit Wenn Sie sich – auch um überhaupt einen Vertrag zu bekommen – einmal auf einen Risikozuschlag eingelassen haben, heißt das nicht, dass Sie Ihr Leben lang die höheren Beiträge hinnehmen müssen. Sie können die Vereinbarung jederzeit prüfen lassen und haben einen gesetzlichen Anspruch auf Reduzierung des Zuschlages:

Dieses Recht ist in § 41 a des Versicherungsvertragsgesetzes festgelegt, dort heißt es:

"Ist wegen bestimmter gefahrerhöhender Umstände eine höhere Prämie vereinbart und sind diese Umstände nach Antragstellung des Versicherungsnehmers oder nach Vertragsschluss weggefallen oder bedeutungslos geworden, kann der Versicherungsnehmer verlangen, dass die Prämie ab Zugang des Verlangens beim Versicherer angemessen herabgesetzt wird."

Ansprüche auf Senkung der Beiträge durchsetzen

Dieser Anspruch kann notfalls sogar gerichtlich durchgesetzt werden, wie eine Entscheidung des Oberlandesgericht Coburg (AZ: 32 S 131/00) zeigt. Bei einem Privatversicherten war ein Rückenleiden nach Jahren ausgeheilt, sodass er kein erhöhtes Krankheitsrisiko mehr aufwies. Daher musste die private Krankenversicherung den Risikozuschlag streichen, entschieden die Coburger Richter. Wenn eine "Alterkrankung" ausgeheilt ist oder sich wesentlich verbessert hat, hilft im ersten Schritt ein ärztliches Attest, um die Risikozuschläge aufheben zu lassen.

Das sollte bescheinigen, dass der Versicherte inzwischen genesen ist und dass sein Gesundheitsrisiko nicht größer ist als das bei einem "gesunden" Versicherten. Danach sollte die Versicherung aufgefordert werden, den Beitrag entsprechend zu senken.

Was tun, wenn die Versicherung nicht reagiert?

Lenkt die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht ein, schalten Sie zunächst den Ombudsmann für Versicherungen ein. Der ist unter www.versicherungsombudsmann.de erreichbar. Er hilft kostenlos und kann eine Schlichtung mit der Versicherung herbeiführen. Eine solche Einigung ist für den Versicherer bindend, wenn es um einen Gegenstandswert von bis zu 10.000 Euro geht.

Darüber hinaus besteht eine Bindungspflicht nicht, erfahrungsgemäß folgen die Versicherer aber auch dann zumeist der Auffassung des Ombudsmanns. Für Sie als Verbraucher ist die Entscheidung stets unverbindlich, es besteht immer die Möglichkeit, auch nach dem Schiedsspruch vor Gericht zu gehen und eine günstigere Entscheidung zu erreichen.

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24.05.2017
Foto: igorstevanovic / shutterstock.com
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