Artikel DruckenArtikel Versenden
TeilenTwitternTeilen

Erwerbsminderungsrente: Staatliche Leistungen bei Berufsunfähigkeit

Es passiert jeden Tag in Deutschland: Menschen müssen aus gesundheitlichen Gründen ihren Job aufgeben - nach einem Unfall, wegen einer Allergie oder nach einer schweren Erkrankung. Eine Zeit lang gibt es dann Krankengeld, aber was passiert, wenn das nicht mehr fällig wird? Der Staat leistet dann über die Deutsche Rentenversicherung die sogenannte Erwerbsminderungsrente - aber wie genau sehen die Leistungen eigentlich aus?

Aber unter welchen Voraussetzungen erhalten Sie die Rente wegen Erwerbsminderung? Wie hoch fällt diese aus? Und was ist für den Antrag und die Berechnung der Erwerbsminderungsrente – oder Erwerbsunfähigkeitsrente, wie Sie früher hieß – wichtig? Für die Antwort auf die Frage "Volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente?" wird die Resterwerbsfähigkeit eingeschätzt: Es muss geklärt werden, ob der Versicherte eine bestimmte Dauer pro Tag einem Beruf nachgehen kann.

Das überprüft ein Arzt der Rentenversicherung. Er schätz Ihre Leistungsfähigkeit sowohl im bisher ausgeübten Beruf, als auch in anderen Jobs ab und geht für sein Gutachten von einer 5 Tage Woche aus.

Keine Erwerbsminderungsrente ohne Antrag!

Bei Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger (zum Beispiel Deutsche Rentenversicherung Bund) müssen Sie einen Antrag stellen. Nutzen Sie die Vorlagen der Ämter. Selbstverständlich können Sie Ihren Antrag auf Erwerbsminderungsrente auch formlos stellen.

Die Erwerbsminderungsrente richtet sich nach Ihrer aktuellen Leistungsfähigkeit


• Können Sie maximal ein bis drei Stunden arbeiten, bekommen Sie die volle Erwerbsminderungsrente. Die beträgt allerdings weniger als ein Drittel Ihres letzten Bruttogehalts. Die durchschnittliche Rentenhöhe bei voller Erwerbsminderung betrug 2015 etwa 748 Euro im Monat!

• Können Sie drei bis sechs Stunden pro Tag arbeiten, erhalten Sie nur die Hälfte der vollen Ewerbsminderungsrente!

+

Es ist nicht relevant, ob Sie in Ihrem erlernten Beruf weiterarbeiten oder in einem anderen zumutbaren. So kann die gelernte Erzieherin sich an der Supermarktkasse wiederfinden, der Malergeselle am Infostand im Baumarkt.

Egal ob voll oder teilweise - die gesetzliche Erwerbsminderungsrente dürfte kaum jemandem genügen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Es ergeben sich gravierende Versorgungslücken:

+

170.000 Rentenfälle pro Jahr

Nach Angaben des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (=BMAS) müssen jedes Jahr 170.000 Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen ihren Job aufgeben - lange vor dem Erreichen des Rentenalters. Häufigste Ursachen für das verfrühte Ausscheiden aus dem Beruf sind: Probleme mit Wirbelsäule, innere Krankheiten oder psychische Beschwerden.

+
Hier kostenlose und unverbindliche Beratung anfordern

Erwerbminderungsrente und Minijob

Die Erwerbsminderungsrente ist ein finanzieller Ausgleich für das ausfallende Gehalt des Erwerbsunfähigen. Damit ist klar, dass Sie nicht zur Rente unbegrenzt dazuverdienen können - und am Ende mehr verdienen als vor Ihrer Erwerbsunfähigkeit. "Es ist nicht Aufgabe der Solidargemeinschaft, einem Erwerbsgeminderten die Möglichkeit zu verschaffen, mit Rente und Nebenverdienst ein höheres Einkommen als vor Rentenbeginn zu erzielen.", so das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Aber: Eine geringfügige Beschäftigung mit einem monatlichen Einkommen von bis zu 450 Euro ist gestattet. Sie erhalten die Rente weiter in voller Höhe.

Voraussetzung: Sie sind nach wie vor erwerbsunfähig!

Es gibt auch Einkünfte, die Ihre Erwerbsminderungsrente beeinträchtigen:

Der monatliche Bruttoverdienst und /oder der monatliche steuerrechtliche Gewinn durch
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb,
  • aus selbstständiger Arbeit,
  • aus Land- und Forstwirtschaft oder vergleichbare Einkommen,
  • bestimmte Sozialleistungen.

Und es gibt zusätzliche Einkünfte, die Ihre Erwerbsminderungsrente nicht beeinflussen:

  • Betriebsrenten,
  • beamtenrechtliche Pensionen,
  • Einkünfte aus einer Erwerbstätigkeit vor Rentenbeginn (z. B. Abfindungen),
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, soweit sie nicht Teile des Gewinns aus selbstständiger Tätigkeit sind,
  • Einkünfte aus Vermögen.

Abstrakte Verweisung

Seit 2001 gilt - anders als bei den meisten privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen - die abstrakte Verweisung bei der Bewilligung der Erwerbsminderungsrente. Sie besagt, dass ein nach dem 2.1.1961 geborener Antragsteller jeden beliebigen Job des Arbeitsmarktes annehmen muss. Selbstverständlich abhängig von den körperlichen oder psychischen Einschränkungen. Lehnt er die Arbeit ab, gibt es keine Rente! So ist es auch möglich, qualifizierte Fachkräfte auf eine unqualifizierte Tätigkeit zu verweisen.

Beispiel: Ein Abteilungsleiter, Jahrgang 1965, kann seiner leitenden Position nicht mehr nachkommen. Allerdings ist eine Tätigkeit als Lagermitarbeiter für 6 Stunden täglich zumutbar. Das bedeutet, er ist nicht erwerbsgemindert und hat keinen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente. Der Rentenversicherungsträger ist nicht verpflichtet für die Ablehnung der Rente eine konkrete Verweisungstätigkeit zu benennen. Er muss nur klarstellen, unter welchen Voraussetzungen eine Beschäftigung möglich ist.

Sonstige Voraussetzungen der Rente wegen Erwerbsminderung

Um in den Genuss einer Rente wegen Erwerbsminderung zu kommen, müssen Sie neben dem Kriterium der Erwerbsunfähigkeit weitere Voraussetzungen erfüllen. So müssen Antragsteller zum Beispiel seit mindestens fünf Jahren versichert sein und die Wartezeit erfüllen - Studenten scheiden deshalb in der Regel aus und müssen sich privat absichern. Zu den fünf Jahren zählen Beitragszeiten, auch wenn sie zum Beispiel Krankengeld, Arbeitslosengeld I oder II bezogen haben, sich der Kindererziehung oder der häuslichen Pflege gewidmet oder freiwillige Zahlungen geleistet haben.

Sie müssen zudem für einen erfolgversprechenden Antrag auf eine Erwerbsminderungsrente innerhalb der letzten fünf Jahre Mitgliedschaft in der Rentenversicherung mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge bezahlt haben.

In Ausnahmefällen (zum Beispiel bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten) genügt dagegen schon eine verkürzte Wartezeit, um eine Rente wegen Erwerbsminderung zu erhalten: Es reicht, wenn Antragsteller in den letzten zwei Jahren wenigstens zwölf Monate lang volle Pflichtbeiträge bezahlt haben.

Bei Auszubildenden ist es für die Bewilligung einer Rente wegen Erwerbsminderung ausreichend, wenn sie in den letzten zwei Jahren mindestens zwölf Monate lang Pflichtbeiträge abgeführt haben.

Erwerbsminderungsrente und Steuern

Die staatliche Erwerbsminderungsrente wird mit den gleichen Regeln versteuert wie die Altersrente - je nach Jahr des Rentenbeginns ist also ein steigender Anteil zu versteuern - ab 2040 sind die Renten dann zur Gänze zu versteuern. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung wird dagegen nach anderen Regeln versteuert: Es muss nur der besodnere Ertragsanteil versteuert werden, dessen Höhe sich nach der vertragsgemäßen Maximal-Laufzeit der Rente richtet.  

Artikel DruckenArtikel Empfehlen
16.05.2017
Foto: Robert Kneschke / Shutterstock.com
Kostenfrei & unverbindlich
Beratung Anfordern